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IHO - Stellungnahme zu TBEP in Bodenpflegemitteln

Tris-(2-butoxyethyl-)-phosphat wird als Plastifizierungsmittel in Bodenpflegemitteln, Kunststoffen und Gummi eingesetzt. TBEP dient bei Bodenpflegemitteln zur Senkung der Mindestfilmbildetemperatur und zur Erhaltung der Flexibilität des ausgebildeten Films.

Nur so kann eine langanhaltende Schutzwirkung des Bodenbelages mit einer gleichzeitig zufriedenstellenden Optik gewährleistet werden.

Die gesundheitliche Relevanz von TBEP ist nicht höher als die anderer in Wohnräumen auftretender Stoffe. Die von Verbraucherschützern vorgetragene Forderung, auf TBEP prophylaktisch zu verzichten, ist unseres Erachtens mit keinem Sicherheitsgewinn verbunden. Die Bewertung von TBEP der WHO (Environmental Health Criteria 218, 2001) kommt zu dem Schluss, dass gesundheitliche Beeinträchtigungen durch eine mögliche Exposition gegenüber TBEP unwahrscheinlich sind.

Wir halten von den derzeit verfügbaren Weichmachern TBEP noch für einen der unbedenklichsten, insbesondere da dieser selbst ein Ersatzstoff für andere nachweislich stärker gesundheitsgefährdende Weichmacher wie beispielweise bestimmte Phthalate ist.

1. Anwendung des NOEL (No Observed Effect Level)

In der ursprünglichen IHO-Stellungnahme zu TBEP wird berechnet, dass ein Erwachsener unter worst case-Bedingungen gegenüber 812 µg TBEP/Tag (entspricht 11,6 µg/(kg KGx Tag)) exponiert ist. Weiterhin wurde richtig aus dem Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Environmental Health Criteria 218 www.inchem.org/documents/ehc/ehc/ehc218.htm zitiert, dass der NOEL im Tierexperiment bei 15 mg/(kg KG x Tag) liegt.

Daraus ergibt sich zwangsläufig ein "Sicherheitsfaktor" von 1293. Dieser Sicherheitsfaktor wird als ausreichend angesehen, da selbst unter der sehr konservativen Annahme, dass ein Faktor von jeweils 10 für die Zeitextrapolation als auch für die Interspezies- und Intraspeziesextrapolation einberechnet wird, nur ein Faktor von 1000 gefordert wäre. Eine Extrapolation des Expositionsweges ist nicht erforderlich, da die Hauptaufnahme von TBEP aus Getränken resultiert.

Sowohl für die Extrapolation von subchronischer zu chronischer Exposition, als auch für die Interspezies- und Intraspeziesextrapolation werden zudem sehr viel kleinere Faktoren als oben angenommen gefordert (Derivation of Assessment Factors for Human Health Risk Assessment, Technical Report No. 86, ECETOC, 2003).

Kinder erreichen sowohl die hohen Verzehrsmengen als auch die Atemraten eines Erwachse-nen nicht. Bei einem Kind von ca. 1-3 Jahren und einen Körpergewicht von 15 kg werden im Höchstfall 1,4 kg Nahrungsmittel und 1 l Wasser aufgenommen. Die Atemrate bei leichter Tätigkeit liegt bei 6 m³/Tag (Standards zur Expositionabschätzung, Bericht des Ausschusses für Umwelthygiene, Behörde für Arbeit, Gesundheit und Soziales Hamburg, 1995). Damit ergibt sich unter Einbeziehung der Daten des EHC Reportes eine worst case-Aufnahme von 273 µg TBEP/Tag.

Der größte Teil, 270 µg oder 98,9% der täglichen Aufnahmemenge, resultieren bei dieser Berechnung aus der Wasseraufnahme.

2. Inhalative Staubbelastung

Zur inhalativen Staubbelastung eines Kindes folgende Berechnung: Unter der Annahme, dass im Wohnbereich Verhältnisse wie an einem staubigen Arbeitsplatz herrschen, kann ein Kind unter Zugrundelegung des allgemeinen Staubgrenzwertes für atembare Stäube von derzeit 4 mg/m3 höchstens 24 mg Staub pro Tag einatmen. Wenn dieser Staub nun mit 1000 mg TBEP/kg belastet wäre, ergäbe sich daraus eine Exposition von 24 µg TBEP/Tag bzw. 1,6 µg/(kg KG x Tag). Selbst unter diesen worst case-Annahmen wird deutlich, dass die inhalative Aufnahme von Staub kaum zur Gesamtexposition gegenüber TBEP beiträgt.
Messwerte zu TBEP im Hausstaub

Zudem zeigen aktuelle Untersuchungen, dass der Gehalt von TBEP im Hausstaub üblicherweise sehr viel niedriger liegt als 1000 mg/kg:

Vergleich TBEP im Hausstaub [mg/kg]

Quelle 50.-Perzentil 95.-Perzentil Maximum
Umweltsurvey 1998
www.umweltbundesamt.de/survey/us98/biozide.htm n=199
5,8 58 854
Gefahrstoffe - Reinhaltung Luft 63(2):79-84, 2003 N=28 16,1 162 210
Gefahrstoffe - Reinhaltung Luft 63(2):85-91, 2003 N=65 5,0 40 120

Der 95.-Perzentil-Wert besagt, dass 95 % der Hausstäube einen geringeren oder höchstens gleich hohen Stoffgehalt aufweisen als dieser Wert. Als erhöht gilt dabei ein Wert, der höher als das 95. Perzentil liegt.

Dieser Wert wird daher in der Regel auch als Referenzwert herangezogen. Wie aus den oben aufgeführten Messwerten hervorgeht, liegt die "übliche" Belastung gegenüber TBEP weit unter den o. a. 1000 mg/kg Staub. Zur Berechnung der Belastung durch Hausstaub wird daher im Folgenden der Wert von 58 mg/kg aus dem Umweltsurvey 1998 angenommen, dies auch aufgrund des hohen Stichprobenumfanges dieser Untersuchung.

Im Weiteren wird von einer oralen Staubaufnahme durch Kleinkinder ("Mouthing") von 100 mg/d ausgegangen (Standards zur Expositionabschätzung, Bericht des Ausschusses für Umwelthy-giene, Behörde für Arbeit, Gesundheit und Soziales Hamburg, 1995).

Daraus ergibt sich, dass ein Kind üblicherweise nur ca. 5,8 µg TBEP/Tag bzw. 0,38 µg/(kg KG x Tag) aufnimmt. Die kumulierte Aufnahme würde dann 280,4 µg/Tag bzw. 18,7 µg/(kg KG x Tag) für ein Kleinkind betragen. Der Beitrag aus Inhalation und Mouthing wäre nur 7,4 µg/Tag bzw. 0,5 µg/(kg KG x Tag).

Auch hier muss angemerkt werden, dass die tatsächliche Aufnahme durch Mouthing wahrscheinlich überschätzt wird, da bei der Berechnung von einer maximalen Bioverfügbarkeit des an den Staub gebundenen TBEP ausgegangen wird.

3. TBEP-freie Produkte

Der Einsatz TBEP-freier Fußbodenpflegemittel würde das Problem, wenn es denn vor-handen wäre, angesichts anderer möglicher TBEP-Quellen nicht lösen.

Wie dem EHC Report 218 zu entnehmen ist, ist das Trinkwasser durch Herauslösen aus syn-thetischen Gummidichtungen die Hauptquelle von TBEP. Hier ist zu berücksichtigen, dass bei der Unterhaltsreinigung eines Fußbodens eine Reinigungsflotte zur Anwendung kommt, die zu annähernd 100 % aus Trinkwasser besteht.

Ausgehend davon, dass 1 l Trinkwasser bis zu 270 µg TBEP enthält, wird deutlich, dass ein Teil des im Staub gemessenen TBEP auch aus dem für die i.d.R. tägliche Reinigung eingesetzten Trinkwasser kommen kann. Dies gilt auch bei Einsatz von TBEP - freien Produkten.

Ist der Einsatz TBEP-freier Reinigungs- und Pflegemittel ausdrücklich gewünscht, ist dies durch die Auswahl entsprechender Produkte möglich. Nach den vorliegenden Fakten ist mit dieser Maßnahme jedoch kein signifikanter Sicherheitsgewinn verbunden.

Zu 4. Datenbank des BgVV (heute BfR)

Die Aussage in der Archiv-Datenbank des BfR CIVS, dass äußerste Vorsicht beim Umgang mit TBEP geboten ist, bezieht sich auf die konzentrierte Substanz. Als Referenz für diese Aussage wird vom BfR das Sigma-Aldrich Sicherheitsdatenblatt von 1989 zitiert. Diese Aussage wurde vom BfR lediglich übernommen. Die Datenbank wird nicht mehr gepflegt, neuere Bewertungen des BfR zu TBEP liegen nicht vor (siehe auch: bfr.zadi.de/civs/).

Letztendlich kommt die WHO im Jahre 2000 zu dem Schluss, dass das Risiko für die Allgemeinbevölkerung sehr gering ist. Die Kompetenz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist sicherlich nicht in Frage zu stellen.