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Stellungnahme


Anforderungen an Flächendesinfektionsmittel für den Einsatz in der Lebensmittelhygiene

Die rechtliche Basis für die Desinfektion und den Einsatz von Desinfektionsmitteln in nicht-privaten Küchen, lebensmittelverarbeitenden und -erzeugenden Betrieben sowie der Tierhaltung liefern die EU-Lebensmittelhygieneverordnungen 852/2004 bis 854/2004. Erstmals wurde durch Integration der sogenannten Primärproduktion (beispielsweise Tierhaltung) die gesamte Lieferkette vom „Acker bis zum Teller" einheitlich geregelt.

Diese Verordnungen enthalten ein HACCP-Konzept, den Verweis auf die Leitfäden für gute Hygiene- und Verfahrenspraxis und fordern entsprechende Hygienemaßnahmen, u.a. Desinfektion.

Dafür geeignete Desinfektionsmittel werden in der DIN-Norm 10516 definiert. Diese Norm hat den Status eines Leitfadens für gute Hygienepraxis:

„Es müssen geeignete Desinfektionsmittel eingesetzt werden. Als geeignet sind insbesondere anzusehen: Präparate, die nach anerkannten Verfahren auf Wirksamkeit geprüft sind. So zum Beispiel durch DVG, VAH, DLG und nach DIN oder EN-Normen geprüfte Präparate".

Bestätigt wird dies auch durch die Stellungnahme des zuständigen Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV):

„...dass die geltenden Rechtsvorschriften den Einsatz anderer als DVG-gelisteter Mittel zulassen und Desinfektionsmaßnahmen insoweit nicht auf den Einsatz DVG-gelisteter Mittel beschränkt sind."

Zusätzlich wurde dies noch einmal klargestellt durch die Arbeitsgruppe Fleisch- und Geflügelfleischhygiene und fachspezifische Fragen von Lebensmitteln tierischer Herkunft innerhalb der Länderarbeitsgemeinschaft gesundheitlicher Verbraucherschutz (AFFL):

„Die Entscheidung darüber, welches Desinfektionsmittel im Einzelfall zur Anwendung kommen soll, liegt im Ermessen des betreffenden Betriebes. Es müssen allerdings geeignete Desinfektionsmittel eingesetzt werden. Als geeignet sind dabei insbesondere Präparate anzusehen, die nach anerkannten Verfahren auf ihre Wirksamkeit geprüft wurden. Zur Belegung der Wirksamkeit des Präparates kann aber ein Hinweis auf eine Listung oder Prüfung durch entsprechende Einrichtungen, wie z.B. DVG oder DIN hilfreich sein."

Derzeit wird durch die Biozidprodukte-Verordnung ein neues Zulassungsverfahren für Desinfektionsmittel eingeführt. Je nach Produkt ist dann eine Zulassung von heute an bis spätestens 2024 vorgesehen.

Teil der Zulassung von Desinfektionsmitteln werden die mikrobiologischen Wirksamkeitstests sein. Hier ist eindeutig und bevorzugt die Überprüfung der Wirksamkeit nach etablierten europäischen Methoden, die mittlerweile auch als europäische und gleichzeitig deutsche Normen fixiert sind, gefordert. Die derzeitigen DVG-Methoden und Bewertungen entsprechen diesem System nicht. Die Industrie bedauert, dass die deutsche Fachgesellschaft DVG sich nicht dazu durchringen konnte, die europäischen Methoden anzuerkennen, sondern weiter auf eigenen abweichenden Methoden besteht. Deshalb muss auch festgestellt werden, dass DVG-Methoden nicht mehr dem Stand von Wissenschaft und Technik entsprechen.

Deshalb haben sich die meisten Hersteller von Desinfektionsmitteln dazu entschlossen, die Wirksamkeit ihrer Produkte nach den international anerkannten EN-Normen, die auch später im Zulassungsverfahren vorgelegt werden müssen, zu testen. Dementsprechend ist die Anzahl gelisteter Produkte und Rezepturen auf der DVG-Liste in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen.

Die alleinige Forderung nach DVG-gelisteten Produkten widerspricht damit den Anforderungen der Lebensmittelhygieneverordnung und der Berücksichtigung von Leitlinien für eine gute Hygienepraxis.

Derzeitige und zukünftige erste Wahl der Methoden zur Überprüfung der Wirksamkeit von Desinfektionsmitteln sind die europäischen und deutschen normierten Methoden. Den Überblick über die entsprechenden Verfahren bezogen auf den Anwendungsbereich liefert hier die EN DIN 14885.

gez. Dr. H. Faubel

pdf icon Verzeichnis DIN-Normen als Leitlinien für Gute Hygienepraxis für NAL