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  IHO - Der Verband

Rückstände von Quaternäre Ammoniumverbindungen (QAV) auf Lebensmitteln

Seit April dieses Jahres erreichen unsere Firmen wiederholt Anfragen aus Betrieben der Lebensmittelwirtschaft, in denen nach quartären Ammoniumverbindungen (QAV), kationischen Tensiden oder aber auch recht konkret nach Didecyldimethylammoniumchlorid (DDAC) bzw. Benzalkoniumchlorid (BAC) in Reinigungs- und Desinfektionsmitteln gefragt wird. Meist sind diese Fragen verknüpft mit der Aufforderung, eine Empfehlung für Alternativprodukte zu geben, die diese chemischen Substanzen nicht enthalten.

Aus den uns vorliegenden brancheninternen Informationsschreiben gehen wir davon aus, dass es aufgrund unsachgemäßer Anwendung von quartären Ammoniumverbindungen (QAV*) bei der Nachbehandlung im Erntebereichen und/oder bei einem Einsatz in Waschprozessen zu Kontaminationen gekommen ist.

Diese Additive enthielten QAV und verblieben nach der Behandlung auf dem Lebensmittel. Dadurch bedingt wurde der in der EU geltende Höchstgehalt von 0,01 mg/kg Lebensmittel in der Analyse überschritten.

Die Zulassung des betreffenden Pflanzenstärkungsmittels wurde zwischenzeitlich vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit mit sofortiger Wirkung widerrufen.

Unserer Einschätzung nach ist es im Zusammenhang mit den aufgetretenen Kontaminationsfällen angebracht, die Verwendung von QAV-haltigen Substanzen eindeutig zu differenzieren zwischen Nacherntebehandlung und Flächendesinfektion. Es macht einen sehr großen Unterschied, ob QAV-haltige Wirkstoffe vorsätzlich und direkt auf die Lebensmittel verbracht werden oder, ob diese Wirkstoffe zur Desinfektion von harten Oberflächen mit abschließender Trinkwassernachspülung verwendet werden.

Die Mitgliedsfirmen des IHO vertreiben Reinigungs- und Desinfektionsmittel, in denen ebenfalls DDAC und BAC als Aktivsubstanzen enthalten sind. Diese Wirkstoffe sind seit vielen Jahren etabliert und haben bei korrekter Anwendung eine sichere biozide Wirkung, verbunden mit vergleichsweise geringer Korrosivität auf empfindlichen Oberflächen, was sie sehr vielseitig verwendbar macht. Der signifikante Unterschied zwischen der Anwendung, die zu Rückständen im Lebensmittel geführt hat und der Anwendung in Reinigungs- und Desinfektionsmitteln ist, dass nicht das Lebensmittel, sondern die Oberflächen in den Verarbeitungsbetrieben damit behandelt werden. Um die Vorgaben der EU-Lebensmittelhygieneverordnung zu erfüllen, ist es dabei unabdingbar, die Leitlinien für eine gute Hygienepraxis einzuhalten, wozu in Deutschland die Beachtung der DIN 10516 gehört. In dieser Norm wird ausgeführt, dass beim Einsatz von Desinfektionsmitteln, die Rückstände hinterlassen können, eine Nach-spülung mit Wasser von Trinkwasserqualität zu erfolgen hat.

Durch das gründliche Nachspülen wird eine Kontamination von Lebensmitteln, die nachfolgend die desinfizierten Oberflächen berühren, sicher vermieden. Somit ist der eingangs geschilderte Sachverhalt, der zur Kontamination von Obst und Gemüse führte, nicht in Verbindung zu bringen mit den Hygienearbeiten, für die die Mitglieds-firmen des IHO Reinigungs- und Desinfektionsmittel vertreiben.

So weist auch die QS Fachgesellschaft Obst-Gemüse-Kartoffeln darauf hin, dass beim vorschriftsgemäßen Einsatz von QAV-haltigen Desinfektionsmitteln Rückstände vermeidbar sind. Die QS schließt somit die Verwendung QAV-basierter Desinfektionsmittel ausdrücklich nicht aus!

Grenzwertüberschreitungen durch Reinigungs- oder Desinfektionsmittel sind bei sachgemäßem Gebrauch auszuschließen. Das bayerische Landesamt für Gesund-heit und Lebensmittelsicherheit hat das in einer viel beachteten Untersuchung 2011 bestätigt, aber auch auf die Pflicht zur korrekten Nachspülung hingewiesen.

QAV-haltige Desinfektionsmittel werden seit Jahrzehnten in der Lebensmittelverarbeitung eingesetzt und haben sich dort aufgrund ihrer Wirksamkeit und der toxikologischen Unbedenklichkeit bewährt. Wie oben erwähnt, werden nach Anwendung der Desinfektionsmittel die behandelten lebensmittelberührenden Oberflächen gründlich mit Trinkwasser nachgespült. Möglicherweise verbleibende geringe QAV-Rückstände sind dann nicht in der Lage zu Grenzwertüberschreitungen auf Lebensmittel zu führen, die auf diesen Flächen produziert werden.

Die korrekte Anwendung von nachweislich wirksamen Desinfektionsmitteln auf Basis von QAV ist nach wie vor ein sicherer und etablierter Beitrag zur guten Betriebshygiene, stellt keine Gefahr für die menschliche Ernährung dar und erzielt aktiven Ver-braucherschutz, indem die Übertragung von Krankheitserregern in Lebensmittel effektiv unterbunden wird.


*) Diese Stoffgruppe gehört zu den kationischen Tensiden und umfasst quartäre bzw. quaternäre Ammoniumverbindungen, wie Didecyldimethylammoniumchlorid (DDAC), Benzalkoniumchlorid (BAC).